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  • 125 jahre zukunft

    1876

    2001

    | RMF| Eine Einrichtung des Landeskrankenhauses (AR)

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    rhein-mosel-fachklinik andernach

    festschrift zum 125-jhrigen grndungsjubilum

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  • Pantone 292 CV

  • 125 Jahre Rhein-Mosel-FachklinikAndernach

    Festschrift zum 125-jhrigen Grndungsjubilum 2001

  • 125 Jahre Rhein-Mosel-FachklinikAndernach

    Festschrift zum 125-jhrigen Grndungsjubilum 2001

  • eins

    vorwort

    Vorwort des Geschftsfhrers 6Vorwort des rztlichen Direktors 9Gruwort des Sozialministers 11Gruwort des Landrats 12Gruwort des Oberbrgermeisters 13

    teil eins125 Jahre Rhein-Mosel-Fachklinik Andernach

    von dr. phil. bettina bouresh

    I. Einleitung 14II. 17891840: 15

    Leib contra Seele die Anfnge der deutschen Psychiatrie

    III. 18251878: 18Musteranstalt im Kreuzfeuer: Siegburg, Anfang und Ende

    IV. 18651882: 19Fnf neue Anstalten fr die Rheinprovinz ein Programm wie in keiner anderen Provinz

    V. 18761900: 20Grnderjahre, Ausbau Die ersten Dekaden der Anstalt Andernach

    VI. 19141918: 27So niedrig war die Belegung noch nie: Der Erste Weltkrieg und die Nachkriegszeit

    VII. 19201933: 29Aufbruch in die Moderne

    VIII. 19331945: 32Absturz in die Finsternis: Andernach wird Zwischenanstalt

    4

  • drei

    zwei

    IX. Kurzbiographien der rztlichen Direktoren 1876 bis 1945 37- Portrt Dr. Werner Nasse 18761881- Portrt Dr. Friedrich Ntel 18811899- Portrt Dr. Nicolaus Landerer 19001912 - Portrt Dr. Franz Friedrich Adams 19121934- Portrt Dr. Johann Recktenwald 19341945

    teil zweiZur Geschichte der Rhein-Mosel-Fachklinik Andernach von 1945 bis 2001

    von dr. med. stefan elsner

    I. Neubeginn nach dem Krieg 40

    II. Aufbruch zur Psychiatriereform 43

    III. Der Weg zum modernen Zentrum fr 45Psychiatrie, Psychotherapie und Neurologie

    teil dreiDie Rhein-Mosel-Fachklinik Andernach heute 48

    von dr. med. stefan elsner

    Die Struktur der Rhein-Mosel-Fachklinik Andernach einschlielich des Heimbereichs 49

    anhang

    Quellenverzeichnisse 52Impressum, Danksagung 54

    5

  • Vorwort zur Festschrift 125 Jahre Rhein-Mosel-FachklinikAndernach

    Sehr geehrte Damen und Herren,

    die Rhein-Mosel-Fachklinik Andernachfeiert im Jahr 2001 ihr 125-jhrigesJubilum.Die Erffnung der damaligenrheinischen Provinzial-Irrenanstalt am15. Oktober 1876 war der vorlufigeEndpunkt eines Reformprozesses, derAnfang des 19. Jahrhunderts eingesetzthatte.

    Zu dieser Zeit entwickelte sich die Psychiatrie zu einer eigenstndigenmedizinischen Fachrichtung. Erstmals begannen rzte, sich um psychisch krankeMenschen zu kmmern, Krankheitsbilder zu beobachten und Patientinnen undPatienten nach den wissenschaftlichen Erkenntnissen der damaligen Zeit zubehandeln.Hierzu war die Errichtung von Krankenhusern notwendig, zu denen auch dieAndernacher Klinik zhlte, die in ihrer Grundplanung fr 200 Patientinnen undPatienten vorgesehen war.Bei dem heute noch gut erkennbaren historischen Gebudekomplex handelt essich um ein im damals hufig zugrunde gelegten neoromanischen Baustil errich-tetes sehr modernes Anstalts-Gebudeensemble jener Zeit, das bis heute mit denhistorischen Gebudeteilen seine Zweckmigkeit als Betreuungseinrichtung frden Heimbereich behalten hat.Von den Anfngen als rheinische Provinzialirrenanstalt, kurz darauf als Provinzial-Heil- und Pflegeanstalt, bis zum heutigen Zentrum fr Psychiatrie, Psychotherapieund Neurologie hat die Klinik eine wechselvolle Geschichte erlebt, derendunkelstes Kapitel in der Zeit des Nationalsozialismus stattgefunden hat.Wie viele andere psychiatrische Krankenhuser war auch die Andernacher Klinikwhrend der Zeit des Dritten Reiches in das Euthanasie-Programm der National-sozialisten eingebunden. Als sog. Zwischenanstalt diente sie der Weiterverlegungvon Patientinnen und Patienten in die damalige Ttungsanstalt in Hadamar. Nach dem II. Weltkrieg und der Grndung des Bundeslandes Rheinland-Pfalzverbindet sich mit der Bezeichnung Landesnervenklinik Andernach dieEntwicklung zur klinischen Behandlungseinrichtung.

    6

    vorwort

  • Die Einfhrung von Psychopharmaka in der 50er Jahren sowie begleitende psycho-und soziotherapeutische Methoden erweiterten das Behandlungsspektrumpsychischer Erkrankungen. Die Unterbringungsbedingungen der Patientinnen undPatienten wurden als Folge der Psychiatrie-Enquete der Bundesregierung Mitte der70er Jahre wesentlich verbessert.Im Oktober 1995 verabschiedete der Landtag mit dem Landesgesetz fr psychischkranke Personen das rechtliche Fundament fr eine umfassende Psychiatrie-Reform in Rheinland-Pfalz. Ziel der Reform war die schrittweise Verkleinerung dergroen psychiatrischen Landeskrankenhuser und der Aufbau einer dezentralen,gemeindenahen Psychiatrie. Gleichzeitig sollten mit Blick auf eine effizientere undwirtschaftlichere Unternehmensfhrung die landeseigenen Fachkrankenhuserdurch eine neue Trgerstruktur modernisiert werden.Die Landesnervenkliniken Andernach und Alzey sowie das Neurologische Landes-krankenhaus Meisenheim wurden zum 1. Januar 1997 in das neu gegrndeteLandeskrankenhaus Anstalt des ffentlichen Rechts als neuem Rechtstrgerberfhrt. Die Erfahrungen der ersten Jahre ermutigten die Landesregierung, zum1. Januar 2000 mit dem Kinderneurologischen Zentrum in Mainz, dem Landes-sprachheilzentrum in Meisenheim sowie der Reha-Klinik Rheingrafenstein in BadMnster am Stein-Ebernburg drei weitere Einrichtungen dem Landeskrankenhaus(AR) anzugliedern.Aus der Landesnervenklinik Andernach wurde die heutige Rhein-Mosel-FachklinikAndernach - Zentrum fr Psychiatrie, Psychotherapie und Neurologie.Der Weg der Klinik zum modernen Dienstleistungsunternehmen im Gesundheits-und Sozialwesen bekam durch ein flexibles, eigenverantwortliches Kranken-hausmanagement neue Dynamik. Die Rhein-Mosel-Fachklinik Andernach ist heute als akademisches Lehrkranken-haus der Universitt Mainz aktiv an der Ausgestaltung des Psychiatrie-Reform-prozesses beteiligt: Neben einer Psychiatrischen Institutsambulanz betreibt die Rhein-Mosel-Fachklinikvier psychiatrische Tageskliniken in Andernach, Cochem, Koblenz und Mayen. Der teilstationre Bereich der Klinik hat damit einen Anteil von 21% an dengesamt vorgehaltenen psychiatrischen Betten erreicht.Mit der Umwandlung des ehemaligen Langzeitbereiches in ein psychiatrisches undheilpdagogisches Heim wurde der Enthospitalisierungsprozess chronischpsychisch kranker Menschen verstrkt.Im Jubilumsjahr 2001 konnte erstmalig in Rheinland-Pfalz eine eigene Stationzur qualifizierten Entzugsbehandlung drogenabhngiger Patientinnen undPatienten erffnet werden.Hinzu kamen eine Vielzahl von strukturellen baulichen Sanierungs- und

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  • Modernisierungsmanahmen, die aus der ehemaligen Provinzial-Heil- undPflegeanstalt des 19. Jahrhunderts ein hochspezialisiertes Fachkrankenhaus mitdifferenziertem Leistungsangebot, moderner Infrastruktur und qualifiziertemFachpersonal entstehen lieen.Wir betrachten 125 Jahre gelebter und gestalteter Psychiatriegeschichte der heutigenRhein-Mosel-Fachklinik Andernach auch als einen Teil der konomischen,gesellschaftlichen, politischen und kulturellen Entwicklung der Versorgungsregion unser Blick ist anlsslich dieses Jubilums aber ebenso auf die sich in derZukunft abzeichnenden Anforderungen gerichtet.Die Rhein-Mosel-Fachklinik Andernach wird deshalb weiterhin die Qualitt ihrer Leistungen kontinuierlich verbessern, um die psychiatrische undneurologische Versorgung in Rheinland-Pfalz auch in Zukunft auf hohem Niveauzu gewhrleisten.Ich wnsche Ihnen eine interessante und angenehme Begegnung mit unsererEinrichtung und der Rhein-Mosel-Fachklinik Andernach fr ihr 125-jhrigesJublium alles Gute.

    Norbert FinkeGeschftsfhrer Landeskrankenhaus (AR)

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  • 125 Jahre,Rhein-Mosel-Fachklinik, Landesnervenklinik,Provinzial-Heil- und PflegeanstaltAndernach

    Wege und Abwege einer ausHumanitt und Reformgeistentstandenen Klinik

    In seiner Denkschrift ber dieOrganisation der RheinischenIrrenpflege von 1865 forderte K.W.Nasse (18221889), der sptere ersterztliche Direktor (18761881) der

    Andernacher Provinzial-Heil- und Pflegeanstalt, nicht nur erstmals die Beseitigungder Trennung von heilbaren und unheilbaren Kranken, er stellte einen frseine Zeit im Umgang mit den Irren ungewhnlichen Grundanspruch: Es istdie Forderung, da alle Irren, welche der Unterbringung in einer Anstalt bedrftigsind eine Aufnahme in Anstalten finden mssen, welche im Stande undverpflichtet sind, auf ihre Heilung oder Besserung, jedenfalls auf die mglichsteVerbesserung ihrer Lage hinzuwirken.Den psychisch Kranken wurde hier erstmals ein Anspruch auf humanitren undmedizinischen Beistand zugestanden. Ergebnis dieser Reformplanung war dieGrundsteinlegung fr fnf groe Anstalten in der Rheinprovinz in unvorstellbarkurzer Aufeinanderfolge (Andernach, Grafenberg und Merzig 1872, Bonn 1873 undDren 1874), eine gigantische sozialpolitische Anstrengung.Die Andernacher Klinik war ein Kind der Reformpsychiatrie ihrer Zeit, als sie am15. Oktober 1876 erffnet wurde. Huser ohne Gitter, groe bersichtlicheRumlichkeiten, Mglichkeiten zur Individualisierung der Unterbringung,Verbesserung der hygienischen Bedingungen waren die bauliche Grundlage zurHumanisierung der Lebensbedingungen der Kranken.Das humanitre reformorientierte Grndungsmotto K. W. Nasses wurde sptestens1941 von einer verbrecherischen Ideologie mit Fen getreten, als mindestens1 580 psychisch Kranke aus oder ber Andernach im Zuge der Aktion T4ermordet wurden.Spt, erst ab Ende der 60er Jahre, im Gefolge der Psychiatrie-Enquete, besann sichdie Nachkriegsgesellschaft ihrer Ver